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<title>Litterae</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Litterae</span></h1>
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</div>
<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Als <b>Litterae</b> (lateinisch für „Brief“; <a href="Plural" title="Plural">Plural</a> zu <span style="font-style:normal;font-weight:normal"><a href="Latein" title="Latein">lateinisch</a></span> <span lang="la-Latn" style="font-style:italic">littera</span> „Buchstabe“) bezeichnet man einfachere <a href="Urkunden_des_Mittelalters_und_der_Fr%C3%BChen_Neuzeit" title="Urkunden des Mittelalters und der Frühen Neuzeit">Urkundenformen</a>. Im Mittelalter wurde der Begriff auch für reine Mitteilungsschreiben (<a href="Brief" title="Brief">Briefe</a>) verwendet.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Papsturkunden">Papsturkunden</h2></div>
<p>Litterae (auch <span lang="la"><i>litterae apostolicae</i></span>) stellen im Mittelalter eine Sammelbezeichnung für alle päpstlichen Urkunden dar. Sie zählen neben den <a href="Privilegium" title="Privilegium">Privilegien</a> zu den wichtigsten und häufigsten Papsturkunden dieser Epoche und setzen die einfache Briefform fort. Die moderne wissenschaftliche Terminologie umfasst jedoch lediglich den Typus der <span lang="la"><i>litterae cum filo canapis</i></span> sowie den der <span lang="la"><i>litterae cum serico</i></span>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Formalia">Formalia</h3></div>
<p>Die Litterae sind in ihrer äußeren Form schlicht. Der gesamte Text wurde in einem einzigen Schriftblock geschrieben. Einziges Beglaubigungsmittel war ein <a href="Siegel" title="Siegel">Bleisiegel</a>.
</p><p>Die Briefe wurden auf <a href="Pergament" title="Pergament">Pergament</a> geschrieben; im Gegensatz zu den Privilegien sind die Pergamentstücke aber in der Regel von kleinerem Format. Die Beschriftung erfolgte im Querformat.
</p><p>Das <a href="Protokoll_(Diplomatik)" title="Protokoll (Diplomatik)">Protokoll</a> umfasst die <a href="Intitulatio" title="Intitulatio">Intitulatio</a> in Form <span lang="la"><i>N. episcopus <a href="Servus_servorum_dei" class="mw-redirect" title="Servus servorum dei">servus servorum dei</a></i></span>. Es folgt die <a href="Inscriptio" title="Inscriptio">Adresse</a> im Dativ, diese führt bis zu drei Einzelpersonen auf, eine Gruppe von Personen oder alle Christgläubigen und die <a href="Salutatio_(Urkunde)" title="Salutatio (Urkunde)">Grußformel</a>, die entweder den Wortlaut <span lang="la"><i>salutem et apostolicam benedictionem</i></span> oder, wenn der Adressat exkommuniziert bzw. nicht christlich ist, eine Mahnung zur Bekehrung enthalten. Nach dem <a href="Kontext_(Urkundenlehre)" title="Kontext (Urkundenlehre)">Kontext</a> folgt das <a href="Eschatokoll" title="Eschatokoll">Eschatokoll</a>. Dieses besteht nur aus einer kleinen Datierung, die aus einem einleitenden <span lang="la"><i>Dat</i></span> besteht, gefolgt von Ort, Tagesdatum nach dem römischen Kalender und dem Pontifikatsjahr. In Rom wird zumeist die benachbarte Kirche angegeben, bei Lateran fehlt allerdings die Angabe <i>Rome</i>. Seit <a href="Eugen_IV." title="Eugen IV.">Eugen IV.</a> (1431) wird auch das Inkarnationsjahr in Buchstaben und einem Wort angegeben, wobei der Jahresanfang der 25. März ist. Das Tagesdatum wird seit 1431 ebenfalls ausgeschrieben und nicht mehr in Zahlzeichen angegeben.
</p><p>Als Siegel wird eine <a href="Bleibulle" class="mw-redirect" title="Bleibulle">Bleibulle</a>, die wegen des Fehlens einer <a href="Corroboratio" title="Corroboratio">Corroboratio</a> im Formular der Litterae nicht angekündigt worden ist, mit Hilfe von Seidenfäden oder einer Hanfschnur angehängt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Äußerliche_Unterscheidung"><span id=".C3.84u.C3.9Ferliche_Unterscheidung"></span>Äußerliche Unterscheidung</h3></div>
<p>Hierbei ergeben sich die unterschiedlichen Typen von Litterae, die einem unterschiedlichen rechtlichen Inhalt sowie einer unterschiedlichen graphischen Ausgestaltung der Urkunde entsprechen. Wird ein Büschel rotgelbe Seidenfäden angehängt, handelt es sich um <span lang="la"><i>litterae cum serico</i></span>. Wird ein Hanffaden angehängt, spricht man von <span lang="la"><i>litterae cum filo canapis</i></span>.
</p><p>Die <span lang="la"><i>litterae cum serico</i></span> sind graphisch aufwendiger gestaltet als die <span lang="la"><i>litterae cum filo canapis</i></span>.
In folgender Tabelle sind die einzelnen Unterschiede dargestellt.
</p>
<table class="wikitable">
<tbody><tr>
<th>Merkmal</th>
<th>litterae cum serico</th>
<th>litterae cum filo canapis
</th></tr>
<tr>
<td>Initiale</td>
<td>gespalten oder mit Blumenmuster verziert</td>
<td>geschwärzt
</td></tr>
<tr>
<td>folgende Buchstaben des Papstnamens</td>
<td>durch <a href="Elongata" class="mw-redirect" title="Elongata">Elongata</a> oder geschwärzte gotische Majuskel hervorgehoben </td>
<td>normale Minuskelschrift
</td></tr>
<tr>
<td><i>s-</i> von <span lang="la"><i>servus</i></span> und <span lang="la"><i>servorum</i></span></td>
<td>doppelt so hoch gezogen, wie ein normales <i>s</i> in der 1. Zeile</td>
<td>keine Besonderheit
</td></tr>
<tr>
<td>erster Buchstabe der Adresse</td>
<td>geschwärzte gotische <a href="Majuskel" title="Majuskel">Majuskel</a></td>
<td>Buchstabe vergrößert, jedoch dünnstrichig
</td></tr>
<tr>
<td>Anfangsbuchstabe des Kontextes</td>
<td>geschwärzte gotische Majuskel</td>
<td>geschwärzte gotische Majuskel
</td></tr>
<tr>
<td>Abkürzung von <i>st</i> und <i>ct</i></td>
<td>verzierter Verbindungsstrich und zerdehnte Ligatur</td>
<td>einfach grader Verbindungsstrich und enge Ligatur
</td></tr></tbody></table>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Inhaltliche_Unterscheidung">Inhaltliche Unterscheidung</h3></div>
<p>Zunächst nutzten Päpste Litterae zu administrativen und jurisdiktionellen Zwecken, z. B. zur Erteilung eines Befehls. Daher kann man <b>Papstbriefe</b> als päpstliche Erlasse<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> bzw. meist als <i>Mandate</i> bezeichnen. Im 12. Jahrhundert wird der Gebrauch aber auf die Verleihung dauernder Rechte ausgedehnt.
</p><p>Die <span lang="la"><i>litterae cum serico</i></span> bilden in der Regel die sogenannten <span lang="la"><i>litterae de gratia</i></span>. Sie verleihen dem Adressaten einen Rechtstitel, entweder wird ihm ein altes Recht bestätigt oder verliehen, ihm wird ein Benefizium übertragen oder der Papst trifft eine Entscheidung zu seinen Gunsten. Sie heißen auch <span lang="la"><i>tituli</i></span>, weil sie Rechtstitel verleihen oder <span lang="la"><i>indulgentiae</i></span>, weil sie einen päpstlichen Gnadenerweis enthalten.
</p><p>Erkennbar sind diese Briefe durch diese oder ähnliche Wendungen in der Dispositio: <span lang="la"><i>auctoritate presentium indulgemus</i></span> oder <span lang="la"><i>auctoritate presentium inhibemus</i>, <i>auctoritate apostolica confirmamus</i>, <i>concedimus auctoritate presentium facultatem</i></span>. Es folgt die <a href="Sanctio" title="Sanctio">Sanctio</a> mit der Comminatio in einer fast gleichbleibenden Formulierung: <span lang="la"><i>Nulli ergo omnino hominum liceat hanc paginam nostre concessionis infringere vel ei ausu temerario contraire. Si quis autem hoc attemptare presumpserit, indignationem omnipotentis dei et beatorum Petri et Pauli apostolorum eius se noverit incursurum.</i></span>
</p><p>Die <span lang="la"><i>litterae cum filo canapis</i></span> sind meist die sogenannten <span lang="la"><i>litterae iustitiae</i></span>. Sie werden zu administrativen Zwecken verwandt. Sie erteilen dem Empfänger einen Befehl, ein Verbot oder ein Urteil. Sie heißen technisch auch <span lang="la"><i>mandata</i></span>. Die Disposito enthält meist folgende Wendung: <span lang="la"><i>per apostolica scripta mandamus</i></span> oder <span lang="la"><i>per apostolica scripta precipiendo mandamus</i></span>. Sanctio und Comminatio fehlen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Litterae_der_Kaiser_und_Könige"><span id="Litterae_der_Kaiser_und_K.C3.B6nige"></span>Litterae der Kaiser und Könige</h2></div>
<p>Die <i>Litterae</i> der Kaiser und Könige sind Schriftstücke, die sich nach Inhalt und Bestimmung in Urkunden und Briefe unterteilen lassen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Urkunden">Urkunden</h3></div>
<p>Seit dem 4. Jahrhundert nutzte man für die Urkunden des römischen Kaisers die Form des Briefes, wobei seit dem 12. Jahrhundert das Aufkommen kleinformatiger Urkunden zu beobachten ist. Diese sind formloser gestaltet als die feierlichen <a href="Diplom" title="Diplom">Diplome</a>: Auf die <a href="Invocatio" title="Invocatio">Invocatio</a> wird verzichtet; die <a href="Elongata" class="mw-redirect" title="Elongata">Elongata</a> beschränkt sich in der ersten Zeile auf den Kaiser- bzw. Königsnamen, und das <a href="Eschatokoll" title="Eschatokoll">Eschatokoll</a> fehlt bis auf eine kleine Datierung. Diese Urkunden setzen sich immer mehr durch, und es kommt zur Entwicklung zweier Urkundentypen, den <span lang="la"><i>litterae patentes</i></span> und den <span lang="la"><i>litterae clausae</i></span>.
</p><p>Die <span lang="la"><i>litterae patentes</i></span> sind seit dem 13. Jahrhundert der vorherrschende Urkundentyp, die man ebenfalls in zwei Formen unterteilen kann. Die sogenannte <i><a href="Charta" title="Charta">Charta</a></i> mit Hängesiegel aus grünem Wachs und die mit einem gelben Wachssiegel besiegelten <span lang="la"><i>litterae patentes</i></span>, die hauptsächlich in administrativen Bereichen vorkommen.
</p><p>Die <span lang="la"><i>litterae clausae</i></span> sind private und amtliche Schreiben, die verschlossen versandt wurden. Sie sind gefaltet und umgeschnürt oder mit Hilfe einer durch Löcher und Einschnitte im Pergament durchzogenen Schnur bzw. eines Pergamentstreifen verschlossen und besiegelt. Diese <span lang="la"><i>litterae clausae</i></span> kommen jedoch auch in der päpstlichen Kanzlei vor.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Briefe">Briefe</h3></div>
<p>Briefe wurden im Mittelalter sowohl für politische als auch für Schreiben privater Art verwendet. Sie lassen sich mitunter schwer von Mandaten unterscheiden, da sie am Schluss einen Befehl oder eine Bitte enthalten.
Briefe sind in ihrer Aufmachung bei weitem nicht so feierlich, wie die <a href="Diplom" title="Diplom">Diplome</a>. Zunächst unterscheiden sich die Briefe noch nicht stark von den Privatbriefen. Sie sind kleinformatig und in einfacher <a href="Buchschrift" title="Buchschrift">Buchschrift</a> verfasst und das <a href="Formular" title="Formular">Formular</a> ist stark reduziert.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Siehe_auch">Siehe auch</h2></div>
<ul><li><a href="Dekretale" title="Dekretale">Dekretale</a></li>
<li><a href="Epistel" title="Epistel">Epistel</a></li>
<li><a href="Mandat_(Diplomatik)" title="Mandat (Diplomatik)">Mandat (Diplomatik)</a></li>
<li><a href="Regest" title="Regest">Regest</a></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>A. Birnstiel, D. Schweizer: <i>Nicht nur Seide oder Hanf! Die Entwicklung der äußeren Merkmale der Gattung Litterae im 12. Jh.</i> In: <a href="Irmgard_Fees" title="Irmgard Fees">Irmgard Fees</a>, Andreas Hedwig, Francesco Roberg (Hrsg.): <i>Papsturkunden des frühen und hohen Mittelalters. Äußerliche Merkmale – Konservierung – Restaurierung.</i> Eudora-Verlag, Leipzig 2011, ISBN 978-3-938533-27-7.</li>
<li><a href="Thomas_Frenz" title="Thomas Frenz">Thomas Frenz</a>: <i>Päpstliche Litterae.</i> In: <i><a href="Lexikon_des_Mittelalters" title="Lexikon des Mittelalters">Lexikon des Mittelalters</a>.</i> Band 5, Sp. 2022/23.</li>
<li>Thomas Frenz: <i>Papsturkunden des Mittelalters und der Neuzeit.</i> Steiner, Stuttgart 2000, ISBN 3-515-07788-X.</li>
<li><a href="Alfred_Gawlik" title="Alfred Gawlik">A. Gawlik</a>: <i>Litterae der Kaiser und Könige.</i> In: <i>Lexikon des Mittelalters.</i> Band 5, Sp. 2023/24.</li>
<li><a href="Ludwig_Schmitz-Kallenberg" title="Ludwig Schmitz-Kallenberg">L. Schmitz-Kallenberg</a>: <i>Papsturkunden.</i> In: <a href="Aloys_Meister" title="Aloys Meister">Aloys Meister</a> (Hrsg.): <i>Urkundenlehre 1 und 2.</i> 1913.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Karl_Hilgenreiner" title="Karl Hilgenreiner">Karl Hilgenreiner</a>: <i>Papstbriefe.</i> In: <a href="Michael_Buchberger" title="Michael Buchberger">Michael Buchberger</a> (Hrsg.): <i>Kirchliches Handlexikon. Ein Nachschlagebuch über das Gesamtgebiet der Theologie und ihrer Hilfswissenschaften.</i> 2 Bände. Herausgegeben in Verbindung mit Karl Hilgenreiner, Johann Baptisti Nisius, <a href="Joseph_Schlecht" title="Joseph Schlecht">Joseph Schlecht</a> und Andreas Seider. Allgemeine Verlags-Gesellschaft, München 1907–1912, Band 2, Sp. 1320.</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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